Melanie Rocksien-Riad - Stadtteilrundgang Knieper West Teil 2

# 29 Stadtteilrundgang in Knieper West Station 2

# 29 – Über 14 000 Menschen leben in Stralsunds größtem Stadtteil Knieper West. Dass es da immer wieder zu Herausforderungen kommen kann, liegt auf der Hand.

Das wurde auch bei der zweiten Station meines Stadtteilrundgangs durch Knieper West deutlich, der uns zum sogenannten „Regenbogen“-Platz im Leo-Tolstoi-Weg führte.

Den Konflikt an diesem Ort erklärte Christa Budde, Leiterin des Stadtteilzentrums. In den Abend würden sich an diesem Platz viele Jugendliche aufhalten, da es für die im Stadtteil zu wenige Anlaufstellen gibt. Lärm bleibt dabei nicht aus, wodurch sich wiederum die Anwohner*innen in der Nähe gestört fühlen.

Ein lang bekanntes Problem, das 2019 zu einem großen Runden Tisch mit Vertreter*innen der Stadt (Frau Gelinek), der Polizei, Jugendlichen und sozialen Trägern führte. Das Ergebnis dieser Runde war, dass man die Jugendarbeit völlig neu aufstellen wollte, um den Jugendlichen Perspektiven zu bieten. Doch bis auf die Bemühungen der ohnehin engagierten sozialen Kräfte vor Ort, ist seitdem nicht viel passiert. Die Hoffnungen der Jugendlichen konnten bisher nicht erfüllt werden.

Durch die Auswirkungen der Corona-Pandemie hat sich die Situation für junge Menschen zusätzlich verschlimmert. Als einzigen Anlaufpunkt haben sie nur noch den Jugendclub der SIC, den viele Stralsunder*innen noch unter dem Namen Havanna-Club kennen. Doch dieser schließt wochentags um 18 Uhr und öffnet am Wochenende gar nicht.

Es ist wie ein Teufelskreis, denn es fehlt auf der einen Seite an ausgebildetem Personal und einer Finanzierung möglicher zusätzlicher Pädagogen. Auf der anderen Seite ist ein Angebot durch das Jugendamt untersagt worden, da das verfügbare Personal aus Sicht des Jugendamtes nicht über die notwendigen Qualifikationen verfüge. Im Ergebnis gibt es also gar kein Angebot für junge Menschen, was bei denen wiederum zu Frustration und Perspektivlosigkeit führt, die in Lärm und Sachbeschädigung mündet.

An dieser Stelle gibt es dringenden Handlungs- und vor allem auch Redebedarf und zwar MIT den Jugendlichen und auch MIT den Anwohner*innen, um so den Blickwinkel für den jeweils anderen zu erweitern und vielleicht gemeinsam zu Lösungen zu kommen, mit denen alle gut leben können. Das Stichwort an dieser Stelle könnten auch generationenübergreifende Projekte sein.